Mittlerweile habe ich zum Internetbrunnen schon drei Interviews gegeben (Coloradio, Mainzer Rheinzeitung und die TAZ) und zwei weitere Termine vereinbart. Das ging alles sehr schnell und ich konnte mich bisher noch nicht auf die Interview-Situation vorbereiten, ich glaube aber trotzdem, dass ich mich halbwegs gut schlage. Sprachlich muss ich noch an mir arbeiten aber inhaltlich war ich gut vorbereitet und ich denke, das liegt auch daran, dass ich schon darüber gebloggt habe. Wenn ich einen Blog-Eintrag schreibe, bin ich gezwungen Ideen in halbwegs sinnvolle Sätze zu wandeln und dafür muss ich die Idee erstmal weiter denken. Das schreiben hilft mir also, meine eigenen Gedanken besser zu ordnen. In den Interviews musste ich deshalb nicht mehr über alles nachdenken und konnte teilweise auf meine Formulierungen zurückgreifen.
als ich vor zwei Wochen angekündigt habe, dass ich irgendwann mal einen Workshop zu Influence machen will, habe ich noch nicht damit gerechnet, dass es so schnell passieren wird. Aber dann kam die Absage vom VW-Haus und Peng stand ohne Land da, drei Tage später startete die Operation Pusteblume, für den 14. August ist ein Festival am Rathausplatz angemeldet und ich starte nochmal Vorträge, die auf eine bessere Öffentlichkeitsarbeit ausgerichtet sind.
Die Industrialisierung hat uns viele schöne Krisen gebracht. Die aktuellen Highlights: Finanzkrise, Klimakrise, Ölteppichkrise und Terrorkrise, basieren alle auf dem selben Ursprung: Linearität.
Die Krise hat spätestens mit Adam Smith angefangen, der heraus fand, dass viele ungebildete und angepasste Menschen, durch den Einsatz von Arbeitsteilung, Druck (Durch einen Boss) und Maschinen viel effizienter produzieren können als Handwerker. Damals war es keine Problem ungebildete Menschen zu finden, aber es gab ein Anpassungsdefizit. Deshalb lagerte man der Produktionsstätte ein Anpassungslager vor, die sogenannten Schulen. Später wurde dieses System ausgeweitet. Das selbe Prinzip, dass für die Arbeiter funktionierte, wurde dann natürlich auch auf die “Bosse” angewandt. Das nennt sich heute Management. Auch hier wurden Arbeitsabläufe in kleine, einfache Teilaufgaben geteilt. Das klappte lange Zeit gut, aber kein Mensch kann so viele vor definierbare Operationen ausführen wie ein Computer. Erst wurden die Hände durch Roboter ersetzt, jetzt kommt Schritt zwei: Manager werden durch Entscheidungs-Algorithmen ersetzt.
Aber Computer werden uns zum Glück nicht alle Entscheidungen abnehmen können. Die Welt ist nicht Linear. Nicht nur die Natur macht was sie will, auch die Konkurrenz hält sich nicht mehr an diese lineare Abläufe. Der Markt wird momentan von Unikaten überschwemmt, da man den linearen Part ohne großere Probleme outsourcen kann. Manche Unternehmen haben das erkannt: Google und Amazon, aber auch die DHL bieten Outsourcing für Linearität an.
Wer nur verwaltet und alle Entscheidungen mit Hilfe von Excel und Entscheidungsbäumen trifft, wird bald durch ein App ersetzt. Die Bienen sollten jetzt lernen ihren Honig selber zu verkaufen, weil die Königin sie bald nicht mehr braucht.
Lineare Bildung
Wir haben ein Bildungssystem, dass uns auf den geraden Weg vorbereitet. Das aus einer Zeit stammt, in der Unternehmen mehrere Jahrzehnte bis zur Weltspitze brauchten. Und jetzt? Amazon (20.000 Mitarbeiter, 19Mrd. $ Umsatz) zieht in 10 Jahren an der Traditions-Firmen Quelle und Bertelsmann (100.000 Mitarbeiter, 15Mrd. € Umasatz) vorbei. Microsoft kam aus dem nichts auf Platz eins und wird jetzt bald von Apple und Google überrannt. Facebook.com hat mehr Einwohner als die USA und plättet weltweit die Lokalzeitungen. Es hilft einem nicht mehr alleine zu wissen was war, wer da noch mithalten will, muss darüber nachdenken was kommen könnte. Als Google angefangen hat, haben sie nicht überlegt wie hoch die Kosten für ihren Service werden und das mit den damaligen Umsätzen für Onlinewerbung verglichen. Google hat am Anfang ein Problem gelöst und dann einen kompletten Markt mit Submärkten (Bsp.: SEO und SEM-Spezialisten) geschaffen. Die meisten Bürokraten hätten eine Studie von McKinsey rausgeholt und festgestellt, dass man im Internet kein Geld verdienen kann! Dann hätten sie das Projekt eingestellt, abgeheftet und den nächsten Ordner geöffnet: “Oh, Kredite für Hausbesitzer, das ist ne sicher Anlage, das sagen auch die Lehmann Brothers, da müssen wir investieren $$$!”
Generation Geradeaus = Generation Praktikum
Laut meiner Schulen war der Weg immer klar: Kindergarten > Schule > Hochschule > Festanstellung wurde nicht nur mir so gesagt, sondern auch Millionen anderen. Aber der Weg ist mittlerweile verstopft. Weil sie nie von etwas anderem gehört haben, als von einer Festanstellung. (Warum habe ich Monate lang lernen müssen, wie man Bewerbungen und Lebensläufe schreibt, aber nicht einmal einen Businessplan erstellt?)
Die meisten halten sich an diesen Plan und drängen in die großen Unternehmen. Da Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen, gibt es mittlerweile soviele unbezahlte Praktikanten. Das ist nicht nur ein Armutszeugnis für die Arbeitgeber, sondern auch für die Perspektivlosigkeit unserer Schulsysteme. Die Generation gibt es schon viel länger. Es ist die Generation Geradeaus, nur dass die jetzt zum ersten mal sichtbar wird, weil der vorgegebene Weg überfüllt ist.
Liebe Generation Geradeaus
Wacht auf! Ihr glaubt ihr könntet durch ein Praktikum in ein Unternehmen nachrücken, dass froh über jeden Mitarbeiter ist, der in Rente geht und den sie nicht selber kündigen müssen. Wenn ihr eh kein Geld bekommt, dann verschwendet nicht auch noch eure Zeit. Was wollt ihr machen? Überlegt euch einen Weg, wie euer Leben verlaufen soll. Macht euch das Leben nicht mit festen Zielen (Bsp.: einen Oscar gewinnen) kaputt, sondern überlegt wie ihr gerne arbeiten wollt. Welche Fähigkeiten habt ihr und wer könnte diese Fähigkeiten brauchen. Betrachtet eure Fähigkeiten aus der Ferne: Nicht “ich bin Webdesigner”, sondern “Ich verstehe wie Menschen Informationen wahrnehmen und mit ihnen interagieren.” Aus der auf Webdesign-Agenturen beschränkten Sichtweise, entwickeln sich ganz neue Perspektiven. Schaltflächen-Entwicklung für Aufzüge, Formulare verständlicher machen… was weiß ich. Bei der Umformulierung geht es aber nur zum Teil um euch. Gerade für die anderen Menschen, mit denen ihr interagiert, schafft die neue Formulierung ganz andere Anknüpfungsmöglichkeiten: “Webdesigner, brauch ich nicht, aber ich habe da so ne Buchhaltungssoftware mit der ich jeden Tag arbeite und kenne den Chef gut, können sie die nicht mal überarbeiten?”
Das ist wie mit den Straßen, es gibt gerade Autobahnen, kurvige Landstraßen und holprige Feldwege. Grad wollen alle auf die Autobahn, weil sie gehört haben, dass sie da am schnellsten unterwegs sind, keiner weiß wo sein Zeil ist, deshalb gibts einen Rückstau bis auf die Landstraßen. Da fahre ich lieber mit dem Rad und wenn bald auch die Feldwege überfüllt sind, fahre ich Mountainbike.
Ziemlich lange ausgeholt um ein Video anzukündigen, aber Sir Ken Robinson hat sich bei seinem Vortrag auch alle mühe gegeben mich auf diese Gedanken zu bringen:
Schönes Beispiel für Gruppendynamik, aber was ist da passiert? Ich tippe, dass es bei irgendeinem Event war und die Tanzenden wurden auf ner großen Leinwand gezeigt.
Kurz vor der re:publica habe ich mir noch das Nachtstudio zum Thema Information Overkill angeschaut und war begeistert von den Beiträgen von Peter Kruse.
Besonders seine Ausführungen über das Lernen durch Musterbildung hat mir sehr viel gebracht. Das Schulsystem arbeitet nach dem Prinzip vom Detail zum Ganzen. Während bei der Musterbildung, aus der Betrachtung des Ganzen ein Erkenntnisgewinn entsteht.
Wenn ich mir meine Schullaufbahn und besonders mein Masterstudium unter diesem Aspekt nochmal genauer anschaue, merke ich, dass ich mit dem Prinzip vom Detail zum Ganzen, nie klar kam. Ich konnte (oder wollte) mir zum Beispiel nie Jahreszahlen bei Geschichte merken, hatte aber einen guten Gesamtüberblick (meist besser als die Streber) und kann noch heute Ereignisse geschichtlich zuordnen. Mittlerweile bin ich froh, dass ich kein echtes Abitur gemacht habe, weil ich glaube, dass ich da nur mit Musterbildung Probleme bekommen hätte. Bei meinem Fachabitur in Gestaltung war das hingegen kein Problem. Auch mein Medien-Design Diplom begünstigte meine Arbeitsweise. Ich habe immer ganze Filme gemacht und dabei gelernt, wie die einzelnen Bereiche funktionieren. Ich habe mich zwar oft in Details verrannt, aber mit der Zeit habe ich verstanden worauf es beim Film ankommt. Beim Master merke ich hingegen, wie stark das vom Detail zum Ganzen wirkt. Es geht darum abgeschlossene Details ohne Betrachtung des Ganzen wiederzugeben. Hier komme ich mit meinem Konzept nicht mehr weiter. Die Details ergeben kein Ganzes. Das ist Bullshit! Human Resource Management lässt sich nicht mit Marketing vereinen, Marketing nicht mit Marktforschung und überhaupt, die Profs könnten niemals gemeinsam eine Firma führen…. jeder würde die anderen für Fachidioten halten, wenn sie sich mal gegenseitig zuhören würden.
Auf der re:publica 2010 habe ich dann einen weiteren Vortrag von Peter Kruse zum Thema “What’s Next – Wie die Netzwerke Wirtschaft und Gesellschaft revolutionieren” gesehen und erst während dem Vortrag gemerkt, dass es die selbe Person ist. Er stellt die These auf, dass es zwei grundlegend Unterschiedliche Sichtweisen auf das Internet gibt, aber seht selbst:
Wie oft habe ich diesen Spruch in den letzten Jahren gehört:
Wir machen nen Viral!
Bisher ist mir noch keiner dieser Clips in den Weiten des Internets viral wieder begegnet. Trotzdem wird er als Wunderwaffe gesehen.
Das Problem beim viralen Marketing ist folgendes: Damit sich ein Clip extrem verbreitet, muss dem Zuschauer die Kinnlade runterfallen oder er muss in Tränen vor Lachen ausbrechen. Schon allein das zu erreichen ist schwer. Dann aber noch alles so gestalten, dass es “On Strategie” ist und die Kernwerte des Produkts oder der Marke wiederspiegelt, macht es noch viel schwieriger. Selbst wenn man für den Start ein paar Blogs und Tweets kauft, wenn der Clip nicht rockt, bleibt er relativ schnell stecken.
Sind wir mal ehrlich, die meisten Marken können nur noch einen Teil der Bevölkerung ansprechen, die Volksmarken gibts nicht mehr.
Trotzdem ist die Mechanik hinter den Virals nicht unintressant, wenn man sich den richtigen Rahmen wählt. Es muss ja nicht gleich die Vogelgrippe sein, oft reicht auch ein einfacher Schnupfen. So ein Virus verbreitet sich langsamer und hinterlässt auch nicht so verheerende Spuren. Aber da er meist im direkten sozialen Umfeld unterwegs ist, entsteht eine persönliche Landkarte. Man weiß fast immer, woher man den Virus hat und auch oft, wen man noch infiziert hat. Hier wirkt der Viral nicht nur durch sich selbst, sondern auch durch die Kommunikation darüber.
Wie funktioniert Niesmarketing?
Beim Niesmarketing geht es darum die Produktfans mit Medien zu unterstützen, die ihnen helfen das Produkt zu erklären. Jede Kaufentscheidung ist mit Zweifeln verbunden. Ein guter Clip kann den Menschen helfen, die eigene Entscheidung mit Argumenten zu bestätigen. Aber ihnen ist es auch wichtig, dass andere ihre Entscheidung bestätigen, deshalb ist es wahrscheinlich, dass ein Käufer das selbe Material auch ein paar Freunden zeigt. Ein Viral kann also nicht nur lustig oder krass sein, er kann auch dafür eingesetzt werden um die Zufriedenheit zu steigern und verbreitet sich deshalb im sozialen Umfeld.
Nachdem ich die Präsentationsgeheimnisse von Steve Jobs gelesen habe, kam mir die Idee einen eigenen Podcast mit Präsentationen zu machen. Mein erstes Ziel ist es besser zu werden. Wenn ich nur so für mich übe, bin ich nicht konzentriert genug und erst vor der Veröffentlichung schaue ich mir den Vortrag nochmal gründlich an. Ohne die, wenn auch virtuelle, Öffentlichkeit gebe ich mir keine Mühe. Trotzdem lasse ich den Perfektionismus zuhause, statt einen Vortrag immer wieder neu zu üben, werde ich verschiedene Themen vorstellen.
In der ersten Episode werde ich mich und mein Passion Statement vorstellen.